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Gender Mainstreaming – Begriff

 

Gender

 

Der englische Begriff »gender« wurde gewählt, weil die englische Sprache anders als die deutsche, die nur über den Begriff »Geschlecht« verfügt, eine Unterscheidung zwischen den Begriffen »sex« und »gender« vornimmt. »Sex« bezieht sich auf das biologische Geschlecht und »gender« auf die Geschlechterrollen, die sozial und kulturell zugewiesen werden.

 

Zur Verdeutlichung hier ein Beispiel: Zwar können ausschließlich Frauen Kinder gebären, das ist bio-logisch bedingt (sex). Es ist jedoch nicht von biologischen Kriterien abhängig, wer die Kinder aufzieht. Das ist von den sozialen und kulturellen Rollenzuweisungen in einer Gesellschaft abhängig (gender) und damit politisch oder gesellschaftlich veränderbar. .

 

Um genau diese veränderbaren sozialen und kulturellen Rollenzuweisungen geht es bei Gender zum einen, denn in unserer Gesellschaft werden den Mädchen bzw. Frauen und den Jungen bzw. Männern immer noch bestimmte Rollen, Aufgaben und Verhaltensweisen aufgrund ihres Geschlechtes zugewiesen. Zum anderen geht es aber zusätzlich um die gesellschaftliche Bewertung dieser Rollen und um die so genannten Geschlechterverhältnisse, also die Art der Beziehungen zwischen Männern und Frauen. Denn die oben genannten Rollenzuweisungen stehen zurzeit nicht neutral bzw. gleichwertig nebeneinander, sondern bringen oft Nachteile für die Geschlechter mit sich. Mädchen und Frauen stehen in der Hierarchie oft noch unter den Jungen und Männern, Weibliches wird eher negativ und geringer bewertet; Männliches dagegen eher positiv und hoch. Geschlecht ist nicht, was wir haben oder sind, sondern was wir tun. Geschlecht wird gelebt, gedacht und inszeniert.

 

Mainstreaming

 

»mainstreaming« heißt wörtlich übersetzt »Hauptfluss« und meint, dass ein bestimmtes Handeln – hier das Vorantreibe der Chancengleichheit und Gleichstellung der Geschlechter – zum normalen Handlungsmuster einer Organisation oder der Gesellschaft wird.

 

Gender Mainstreaming – Definition(en)

 

Unter Gender Mainstreaming wird eine politische Strategie zur Herstellung von Chancengleichheit von Männern und Frauen verstanden. Geschlechtsbezogene Lebenslagen, Lebensentwürfe, Problemlagen und damit einhergehende Bevorzugungen (und Benachteiligungen) beider Geschlechter werden zum Gegenstand politischer Entscheidungen und Auseinandersetzung erklärt.

 

Das bedeutet, dass Geschlechterpolitik eine Querschnittsaufgabe ist. In allen Lebensbereichen, insbesondere auch der Politik, müssen Konzepte entwickelt werden, mit denen Maßnahmen und Regelungen dahingehend hinterfragt werden, ob Frauen und Männer unterschiedlich betroffen sind und welche Auswirkungen das hat.

 

Gender Mainstreaming ist somit ein Grundprinzip, das in der täglichen Arbeit zu beachten, überall, in allen Bereichen und auf allen Ebenen mit Inhalten zu füllen ist (1).

 

 

Kommunikationsformen in Gremien und Gender Mainstreaming

 

In den Kommunikationsformen spiegeln sich die Rollenzuschreibungen an die Geschlechter wieder. Dabei werden gerade in Gremien durch die vorgegebenen Rollenverteilung und Rollenverständnisse oft der Missmut noch zusätzlich geschürt. Der soziale Zwang der Zuordnung zu einem von zwei Geschlechtern ist sehr hoch. Das Geschlecht ist eine soziale Ordnungskategorie, bei der die Vorgabe ist: Frauen orientieren sich an Beziehungen und wirken gefühlsbetont und Männer orientieren sich an Konkurrenzverhalten und wirken rational.

 

Um diesen Teufelskreis aufzubrechen ist es nützlich auch die positiven Verhaltensweisen und Eigenschaften der gegengeschlechtlich zugewiesenen Rolleneigenschaften entsprechend zu kennen und selbst zu beherrschen. Als Beispiel kann gesagt werden, viele Fragen zu stellen sei einer eher weibliche Eigenschaft. Dies kann dann mit den Gedanken „Oh, dass mache ich als Mann aber auch!“, oder “Das ist hilfreich, damit alle die Zusammenhänge verstehen!“, aber auch mit „Das geht mir voll auf die Nerven, weil es alles in die Länge zieht!“ verbunden werden. Über die Reflexion, welche der Eigenschaften eher weiblich und welche eher männlich zugeschrieben sind, wird sowohl ein Bezug zur eigenen Person, als auch zum Thema hergestellt.

 

Um die Auseinandersetzung mit dem Themenbereich möglichst lebensnah zu gestalten, ist der Einsatz von Fotos nützlich. Diese halten die nonverbalen Botschaften fest und stellen sie in den Mittelpunkt. So werden einige Dinge aufgedeckt, die überraschend sind, sowohl für die fotografierte Person, als auch für die einzelnen Mitglieder der Gruppe. Die gesellschaftlich vorgegebenen Verhaltensweisen werden wertgeschätzt und verdeutlicht. Die Veränderbarkeit der gesellschaftlichen Rollen kann hierdurch verdeutlicht werden. Die Gremienarbeit so zu verändern, dass sie für beide Geschlechter annehmbar und ansprechend ist, beinhaltet allerdings noch mehr als nur die Kommunikationsform zu verändern.

 

Der Sprachgebrauch spielt hier eine wesentliche Rolle. Die Fragestellung nach dem Binnen-„I“ oder der geschlechtsneutralen Form (z.B. der Teilnehmenden) ist beispielsweise ein ausschlaggebender Impuls. Es geht um die Ansprache und das stetige Erinnern an die beiden Zielgruppen.

 

Damit ist die Frage, ob es Angebote nur für ein Geschlecht geben soll, nicht aus der Welt, denn klare Defizite gibt es immer noch auf beiden Seiten.

 

 

Seminar-, Freizeit- und Gremienplanung nach den Aspekten von Gender Mainstreaming

 

Da Gender Mainstreaming als Querschnittaufgabe gesehen wird, ist es bei allem was es zu entscheiden gilt immer dabei. Gender Mainstreaming hat viele Anteile an der Qualitätsentwicklung. Es gibt viele Methoden und Varianten um Gender Mainstreaming umzusetzen!

 

Gender Mainstreaming sollte eine feste Größe neben den Ressourcen der Finanzen, des Personals und der Zielsetzung in jeder Planung sein.

 

Es fängt schon bei der Ausschreibung an. Hier sollte auf die Zielgruppe eingegangen werden. Geht es um Teilnehmende, um Teilnehmer oder um Teilnehmerinnen, also sollen beide Geschlecht angesprochen werden oder nur eines. Ob nun die Ansprache beider Geschlechter geschlechtsneutral, mit Binnen-“I“ oder durch die Ansprache von Jungen und Mädchen, Männer und Frauen geschieht ist ein großer Unterschied. Es ist auf dem ersten Blick nicht zu erkennen, doch da die Rollenzuweisungen von uns allen gelernt wurden, läuft in uns allen ein anderer Film zu den Schlüsselwörtern ab.

 

Dazu kommen dann Fragen wie:

• Wie ist die Aufgabenverteilung bei der Leitung?

• Was spricht die Zielgruppe an (Bedarfserhebung im Vorfeld)?

• Wie ist die Übernachtung organisiert (ist der weg zu den Toiletten weit / nachts beläutet)?

• Welche Getränke werden angeboten (auch im und außerhalb des Rahmenprogramms)?

• Ist das Programm abwechslungsreich (auch bei Maßnahmen mit nur einem Geschlecht)?

• Wie ist das Durchgeführte angekommen (offene Fragebögen die geschlechtsbezogene Rückmeldung zulassen)?

• Wie können die Konsequenzen aus dem Durchgeführten gezogen werden?

 

Nur wenn Dienstleistungen auf ihre Zielgruppe zugeschnitten sind können diese als „sehr gut“ empfunden werden. Bei Gender Mainstreaming geht es um eine Verbesserung der Lebenswelten aller und damit die Schaffung einer neuen Lebensqualität.

 

Um dieses Ziel zu erreichen ist die Voraussetzung die Prüfung aller Entscheidungen und aller Strukturen, die es in den jeweiligen Bereichen gibt, auf die Auswirkungen für beide Geschlechter. Wenn dies für alle Bereiche angegangen wird, so wird bei einer offenen Grundhaltung zur Optimierung der Bereiche eine qualitative Aufwertung die Folge sein.

 

 
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zuletzt geändert am 29.12.2009 um 13:06 Uhr
von AG Oeka [oeka@dlrg-jugend.de]