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Workshop Interkulturelle Öffnung (IKÖ)

 

Ist IKÖ ein Thema für die DLRG-Jugend?

 

Ja! Ein Einblick darüber, wie relevant das Thema „IKÖ“ für die Arbeit der sechs Workshopteilnehmenden vor Ort ist, konnte mit der Durchführung einer informellen Befragung gewonnen werden. Auffallend dabei war, dass vor allem in Ballungszentren wie Frankfurt und Nord-Essen Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund etwa ihres Anteils im Sozialraum entsprechend an den Angeboten der DLRG und der DLRG-Jugend teilnehmen, in den ländlichen Regionen jedoch so gut wie gar nicht vorkommen. In DLRG-Jugend-Gremien auf Orts-, Bezirks-, Landes- und Bundesebene sind sie, die genannten Ballungsräume mit eingeschlossen, ebenfalls nicht vertreten. Die subjektiven Einschätzungen der Teilnehmenden, woran es liegen könnte, variierten von „das könnte am Namen `Deutsche Lebensrettungsgesellschaft´ liegen“, „die starren Verbandsstrukturen haben bisher eine Öffnung verhindert“ bis hin zu der Aussage „die fehlende Präsenz von Jugendlichen mit Migrationshintergrund kann religiöse Hintergründe bei der betreffenden Zielgruppe haben“. (1)

 

 

Daten und Fakten – die demographische Entwicklung in Deutschland

 

Basierend auf dem Bericht der Beauftragten des Bundes für Migration von 2004 (2) wurden Daten und Fakten zur Entwicklung der EinwohnerInnenzahlen in Deutschland betrachtet. Demnach betrug Ende 2003 der Anteil von Menschen mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit an der Gesamtbevölkerung 8,9 %. Dieser Anteil ist seit 1998 gleich geblieben. Der Anteil der bereits eingebürgerten Bevölkerung mit Migrationshintergrund ist darin nicht enthalten. Mit 1,88 Mio. stellten Menschen mit türkischer Staatsangehörigkeit die größte Gruppe, gefolgt von 601.258 Menschen mit italienischer Staatsangehörigkeit. 568.240 Menschen aus Serbien und Montenegro waren die dritte große Gruppe. Ihnen folgten EinwohnerInnengruppen mit griechischer, polnischer und kroatischer Staatsangehörigkeit. Von Bedeutung für die DLRG-Jugend sind Angaben zur Altersstruktur. Hier belegen Zahlen, dass die Bevölkerungsgruppe mit ausländischer Staatsangehörigkeit jünger ist als die deutsche Bevölkerung, denn nur 6 % sind älter als 65 Jahre. Das Alter bei 75,7 % der Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit lag zwischen 18 – 65 Jahre. Bei 18,3 % handelte es sich um Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Jede/r fünfte (ca. 1,5 Mio Menschen) ist in Deutschland geboren. Bei den unter sechs Jährigen lag der Anteil dieser Gruppe bei 84,7 %.

 

 

Die meisten Menschen mit ausländischer Staatangehörigkeit leben in den alten Bundesländern. Am höchsten liegt ihr Anteil in den Stadtstaaten Hamburg (14,6 %), Berlin (13,2 %) und Bremen (12,7 %), gefolgt von den Bundesländern Baden-Württemberg (12,1 %), Hessen (11,5 %), Nordrhein-Westfalen (10,9 %), Bayern (9,5 %), Saarland (8,5 %), Rheinland-Pfalz (7,7 %), Niedersachsen (6,7 %) und Schleswig-Holstein (5,4 %). In den neuen Bundesländern liegt der Anteil bei nur 2,0 – 2,8 %. (3)

 

 

Warum ist es für die DLRG-Jugend wichtig, sich interkulturell zu öffnen?

 

Die Argumente für eine IKÖ, die von den Teilnehmenden erarbeitet wurden, sind schriftlich festgehalten (vgl. Dokumentation) und wurden von der Workshopleitung mit weiteren Argumenten ergänzt:

 

 

• Die DLRG-Jugend muss der gesellschaftlichen und demographischen Realität, dass Kinder in den kommenden Jahren überwiegend in Familien mit Migrationshintergrund aufwachsen werden (4), Rechnung tragen, will sie in den kommenden Jahrzehnten weiterhin als eine Jugendorganisation bestehen. Demnach ist die Frage der IKÖ für die DLRG–Jugend existentiell.

 

 

• In § 9 KJHG wird die Jugendhilfe aufgefordert, „die jeweiligen besonderen sozialen und kulturellen Eigenarten junger Menschen zu berücksichtigen“. Somit hat die DLRG-Jugend per Gesetz den Auftrag die spezifischen Belange von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu beachten bzw. ihnen gerecht zu werden.

 

 

• Das Leitbild der DLRG-Jugend enthält drei Zielbeschreibungen (Beitrag zur Entwicklung junger Menschen leisten…/ Interessen von Jugendlichen vertreten…/ aktiv zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beitragen) sowie die Aussage „ die Integration von sozial und ethnisch benachteiligten Kindern und Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu fördern“. (5) Diese Bekundungen müssen im Interesse von Jugendlichen mit Migrationshintergrund eingelöst und in die Tat umgesetzt werden.

 

 

Um die Chancen einer interkulturellen Öffnung bei der DLRG-Jugend abschätzen zu können, wurde eine Standortanalyse durchgeführt. Die Teilnehmenden haben an Hand ihrer persönlichen Erfahrungen Faktoren zusammenzutragen, die einen Prozess der interkulturellen Öffnung fördern, hemmen, stärken, schwächen bzw. gefährden können. Die so entstandenen Ergebnisse (vgl. Dokumentation) geben Aufschluss darüber, wo die Anknüpfungspunkte und verbandspezifischen Ressourcen für eine interkulturelle Öffnung liegen bzw. welche kritischen Aspekte besonders beachtet werden müssen.

 

 

Welche Handlungsschritte sind für eine IKÖ erforderlich?

 

Im letzten Workshopabschnitt wurden Lösungsansätze erarbeitet, wie die IKÖ in der DLRG-Jugend eingeleitet werden kann. Es ist eine Fülle von Ideen und konkreten Ansatzpunkten entstanden (vgl. Dokumentation). Als realistisch umsetzbar wurden von den Teilnehmenden folgende drei Ideen favorisiert:

 

 

• Pilotprojekt zur IKÖ in einer Untergliederung durchführen

• BerufspraktikantIn mit Migrationshintergrund auf Bundesebene einstellen

• IKÖ beim nächsten Bundesjugendtag zum Thema machen

 

 

Nachfolgend sind weitere Ideen und Handlungsempfehlungen aufgeführt, die die Diskussion um die IKÖ in der DLRG-Jugend anregen und unterstützen sollen:

 

 

• Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund und IKÖ ist fester Bestandteil der Konzeption der DLRG-Jugend.

 

• IKÖ hat nicht nur Jugendliche mit Migrationshintergrund als Zielgruppe im Blickpunkt, sondern auch einheimische Jugendliche.

 

• Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund und die IKÖ spiegeln sich im Programm und in den Projekten der DLRG-Jugend wider

 

• Es werden Personen benannt, die das Thema „IKÖ/ Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund“ in haupt- und ehrenamtlichen Strukturen einbringen und es weiter verfolgen.

 

• Das Thema „IKÖ/ Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund“ ist obligatorischer Tagesordnungspunkt in Gremien und Sitzungen.

 

• Die IKÖ/ Orientierung wird innerhalb und außerhalb der Organisation deutlich und öffentlich gemacht.

 

• Fortbildungsveranstaltungen zu Interkulturelle Kompetenz/ IKÖ/ Interkulturelle Projektarbeit) werden angeboten.

 

• Eine Arbeitshilfe für Landes-, Kreis- und Ortsverbände zur IKÖ/ Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund wird erstellt.

 

• Ein Pilotprojekt zur Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in einem ausgesuchten Ortsverband wird durchgeführt und evaluiert.

 

• Gremien und Ausschüsse der DLRG-Jugend werden mit Menschen mit Migrationshintergrund besetzt (aber mit dem Thema nicht alleine gelassen!).

 

 

 

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(1) Anmerkung der Verfasserin: Diese Aussage betrifft in der Realität eine kleine Minderheit von weiblichen Jugendlichen aus stark muslimisch orientierten Familien.

(2) Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration: Strukturdaten der ausländischen Bevölkerung Stand 2004, Berlin Januar 2005

(3) Diese Quoten basieren ebenso auf Daten von Ende 2003 aus dem unter (2) genannten Bericht.

(4) Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration: Bericht über die Lage der Ausländerinnen und Ausländer in der Bundesrepublik Deutschland, Juni 2005, S. 160

(5) Leitbild der DLRG-Jugend

 

 

Meral Sagdic

 

 
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zuletzt geändert am 29.12.2009 um 13:06 Uhr
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